EINLADUNG: Winterplenum der Koalition der Freien Szene

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Liebe Mitstreiter*innen der Koalition der Freien Szene,

herzliche Einladung zu unserem Winterplenum am 07.12.2017 wird um 18h30 im HAU 3, Houseclub (Erdgeschoß HAU3, Tempelhofer Ufer 10). Alle haben Zeit Ihre Anträge zur City Tax Förderung abzugeben und trotzdem noch zu kommen!

Bis dahin werden wir wissen, wie die letzten Entscheidungen im Hauptausschuss gelaufen sind (2. Lesung des Haushalts 2018/2019 ist am 24.11.). Was wird mit der City Tax? Was wird mit der Künstlerischen Forschung?

Bis dahin werden wir auch wissen, wie der nächste Haushalt wahrscheinlich aussehen wird. Die Abstimmung darüber wird im Abgeordnetenhaus am 13.12. stattfinden.

Am 11.12. wird die Koalition der Freien Szene einen Termin mit dem Kultursenator haben. Dieser Termin soll beim nächsten Plenum ebenfalls vorbereitet werden.
Und natürlich werden die AG’s wieder von ihrer Arbeit berichten.

Tagesordnungspunkte werden also sein:
– Bericht zu unserer Arbeit
– Bericht der AG’s
– Haushalt 2018 / 2019
– Termin Kultursenator

Herzlichen Gruß vom Sprecher*innenkreis (ob nun mit * oder mit I)

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Fünf Jahre Koalition der Freien Szene – eine Analyse von Friederike Landau

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http://www.koalition-der-freien-szene-berlin.de/wp-content/uploads/2017/11/KONFLIKTUELLE_KOLLABORATION_DIE_KOALITIO.pdf

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Nach der Lektüre des Textes erscheint mir der Charakter eher als eine Beschreibung denn eine tiefgreifende Analyse. Was mir jedoch weit vorherrschender auffällt, das ist die Infragestellung der Verfaßtheit der Koalition der Freien Szene – ja die Autorin scheint eine mangelnde demokratische Legitimierung schier herbeizureden.

Doch schauen wir uns diese Kritik einmal genauer an: Um wieviel mehr demokratische Legitimation besitzen denn anerkannte Organisationen? Beispielsweise ein Verein. Die Organisationsform, die den die Koalition bildenden Berufsvertretungen ja immerhin zu grunde liegt.

  • Ist es nicht auch hier in der Realität so, dass eine Hand voll Mitglieder als Plenum in der MV für eine beträchtlich größere Mitgliederschaft die Entscheidungen trifft?!
  • Und ist es nicht auch hier so, dass wenige Vorstandsmitglieder die Geschicke für viele leiten?!
  • Und kann man sich eine größere Basisdemokratie vorstellen, als ein für ALLE Künstler und Kulturschaffende gleichermaßen zugängliches Plenum ohne Ausschluss für irgendjemanden mit der Möglichkeit der demokratischen Kontrolle?!

Mir scheint es eher so, als dass hier ein Manko herbeigeredet würde, wo es sich um allgemein gängige Phänomene handelt. Nirgendwo sind alle an Entscheidungen und Repräsentationen beteiligt.

Doch klar ist bei alledem:

DIE Freie Szene profitiert von der Arbeit der Koaltion!      (R.L.)

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Künstlerkolleginnen treffen auf der Art Brandenburg

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Zu meinem Besuch auf der Art Brandenburg hatte ich mich entschieden, als ich zu meiner Überraschung sah, wie viele Künstlerinnen ich dort wiedersehen würde. Mit dieser Vorfreude machte ich mich auf den Weg zu einem Ort, an dem ich zuvor noch nie war.

Als erstes traf ich gleich auf zwei geschätzte Kolleginnen – Rotraud von der Heide und Elke Lixfeld. Erstere repräsentierte dort den Künstlerinnen-Verein Endmoräne. (Das Foto hat mir dankenswerterweise Michael Lüder zur Verfügung gestellt.)

„ENDMORÄNE ist ein Verein für die künstlerische Zusammenarbeit professioneller Künstlerinnen aus Brandenburg und Berlin mit überregionaler Ausstrahlung. Die Künstlerinnen verstehen ihre Arbeit als Mittel der gesellschaftlichen Partizipation und Einflussnahme und das Wirken des Vereins als gemeinschaftlichen Beitrag zur Entwicklung ihres Aktionsraumes – dem Land Brandenburg/Berlin.“ Eine Dokumentation der Arbeit findet man in dem angebotenen Katalog „25 Jahre Endmoräne“ – Ortsbezogene Kunstprojekte mit beeindruckenden Fotos.

Vereinssitz ist der Kunsthof Lietzen im Oderbruch, auf dem ich vor langer Zeit mal eine traumhaft schöne Workshop-Woche unter Leitung der Künstlerin und Holzbildhauerin Silke Katharina Hahn verbracht habe.

Damals arbeitete ich mich an „meiner Linde“ ab – hier das Ergebnis im Bild – und lernte mindestens so viel über mich wie in den zahlreichen Selbsterfahrungsgruppen, die ich in meinem Leben schon besucht habe.

Auf das Wiedersehen mit Monika Funke-Stern hatte ich mich besonders gefreut. Eine meiner Dozentinnen an der HdK, die mir in ihrem Seminar „Frauen auf der Suche nach einem neuen Filmalphabet – Ansätze des experimentellen Films von Frauen“ neue und ungewöhnliche Seherfahrungen vermittelte. Impulse für ein Medium, die in meine gegenwärtigen Videoarbeiten indirekt hineinwirken. Ich zeigte ihr mein Anfang des Jahres erschienenes Künstlerbuch „Mein künstlerischer Weg – Werke und Projekte“, in dem ich sie u.a. erwähnt habe.

Doris Kollmanndie ich beim Kunstsalon von Susanne Haun kennengelernt hatte und erst kürzlich in ihrem Atelier anlässlich der 10. Südwestpassage Kultour bei ihrer Performance besucht habe (rechts im Bild), traf ich am Stand des Atelierhofs Werenzhain, dem sie als Mitglied angehört.

Getragen wird der Atelierhof in Doberlug-Kirchhain / Lausitz vom gleichnamigen Verein. „Der Kunstverein Atelierhof Werenzhain e.V. wurde 1996 von Künstlerinnen aus Ost und West gegründet. Mit dem Erwerb des ehemaligen Lehn-Schank-Gutes Werenzhain wurde ein Ort zur Förderung von Künstlerinnen geschaffen. Die Arbeit des Vereins zielt auf überregionale Aufmerksamkeit, wie auf die Bereicherung des Kunst- und Kulturlebens vor Ort.“

Die künstlerische Leitung hat seit 2010 Iris Stöber inne – eine ehemalige Kollegin auf unserem Künstlerhof Alt-Lietzow, mit der ich Anfang der 2000er Jahre mal eine gemeinsame Präsentation unserer Arbeit für den Unternehmerinnen-Stammtisch Charlottenburg-Wilmersdorf ausgerichtet habe.

Mit Freude hat sie auf meine Mitteilung reagiert, dass unser Künstlerhof nach über sechsjährigem Bemühen nun gesichert ist und gab mir für unsere gemeinsame Kollegin und neue Eigentümerin Brigitte Arndt ein Exemplar ihres gerade erschienenen Katalogs „Jubiläumsschau – 20 Jahre Atelierhof Werenzhain“ mit.

Auch die Steinbildhauerin Birgit Cauer war auf der Art Brandenburg. Sie hatte ich erst vor kurzem bei einem Vortragsabend über „Politische Kunst oder Soziale Praxis“ in der Udk getroffen. Vor vielen Jahren hatte ich sie durch eine gute Freundin bereits am alten Standort Panzerhalle kennengelernt, 2012 ihre Ausstellung im Schloß Sacrow besucht und beim offenen Atelier am neuen Standort Neues Atelierhaus Panzerhalle, wo auch u.a. Monika Funke-Stern ihr Atelier hat. Auch sonst laufen wir uns immer mal wieder über den Weg. Interessanterweise hat uns das gemeinsame Feld der Kunsttherapie, wo wir beide als Dozentin tätig sind, noch nicht zusammengeführt.

Abschließend besuchte ich noch eine Podiumsdiskussion: Sammeln und Bewahren: „Wie finden sich Sammler*innen und Künstler*innen? Wie wird gesammelt und bewahrt?“ – Jana M. Noritsch, Gründerin des Collectors Club Berlin im Gespräch mit Genia Börner-Hoffmann (Kunst- und Kulturmanagerin), Dr. Friederike Hauffe (Kunsthistorikerin, stellv. Vorsitzende Bundesverband Künstlernachlässe), Maren Marzilger (Galeristin) und Olaf Schirm (Kunstsammler)

Hier vermittelte sich mir eine völlig andere und irgendwie befremdliche Sicht auf Kunst. Nämlich das Sammeln, sprich Ankaufen und u.U. in Lagern verschwinden lassen von Kunst als Ware und Wertanlage.

Interessant war das Angebot von Friederike Hauffe, Künstler*innen eine Software zur Erstellung von Werkverzeichnissen und späteren Nachlässen zur Verfügung zu stellen, das gegenwärtig auch von meinem Berufsverband bbk berlin geprüft wird.

Alles in allem war mein Besuch bei der Art Brandenburg ein mit spannenden Begegnungen und Informationen prall gefüllter Abend!

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Regina Liedtke

Letztens im Jandorf: Luciano Castelli, der alte „Wilde“ ist wieder in Berlin

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Berlin-Mitte, Brunnenstraße 19. Zur Einlasszeit hatte sich bereits eine riesige Ansammlung von Menschen gebildet, die nach und nach von Türstehern hereingelassen werden. An der Tür ein Schild mit der Aufschrift „VIP-Gästeliste“. Ich treffe einen Künstlerkollegen vom BBK, mit dem ich mich augenzwinkernd darauf verständige, dass wir selbstverständlich „auf der Gästeliste stehen“ und uns nicht abwimmeln lassen. Und schwupp sind wir drin.

Kollege Thomas macht auf meine Bitte ein – leider ziemlich verschwommenes – Foto von mir mit seinem Uralt-Handy.

Es ist ein fast berauschendes Kunst-Raumerlebnis in diesen 2.500 m2 Rohbau mit den großen Wandmalereien von Luciano Castelli. Und angesichts der nicht endend hineinströmenden Massen ein prickelndes Bad in der Menge. Doch so richtig hoch geht die Stimmung, als Castelli leibhaftig auftaucht. Ja, er ist tatsächlich selbst da. Der Castelli, der Ende der 70 Jahre hier in Berlin mit seinen expressiven Bildern als „Neuer Wilder“ zusammen mit Rainer Fetting und Salomé für Furore gesorgt hat. Die Film-Collage „Back to nothing“ zeichnet ein Stimmungsbild der Szene im Berlin der Jahre 1979 – 89.

„Wild“ sind seine Malereien der großen Geste noch heute, er als Person jedoch wirkt eher durch seine natürliche Ausstrahlung und stille Präsenz.

Diese Vielschichtigkeit steckt auch in dem Projekt selbst.

From White to White nennen die Veranstalter die Ausstellung, die sich und die Besucher mit dem Erschaffen und der Vergänglichkeit allen Schaffens konfrontieren, denn die Wandgemälde, die Castelli in Tage und Nächte langer Arbeit mit seinem Sohn zusammen (größtenteils) auf die rohen Mauern aufgebracht hat, werden nach dem 7-tägigen Event wieder weiß übermalt. „Castelli schafft ein Kunsterlebnis, das in seiner Exklusivität und gleichzeitigen Vergänglichkeit durch die Dauer der Ausstellung begrenzt ist.“ Bereits 2016 bemalte er in Shanghai spontan und unmittelbar das gesamte Innere eines Museums, um damit aus dem konventionellen Rahmen der Bildpräsentation auszubrechen. Er will damit eine „neue Form finden“ und betrachtet diese multimedialen Aktionen, zu denen auch Live-Konzerte gehören, als „lebendiges Wesen“. In der Presseerklärung der Galerie von Markus Deschler heißt es: „Arbeitsschwerpunkt seines Werkes sind Selbstinszenierungen, in denen Eigenschaften, Emotionen und Rollen gegenständlich werden: auf der von ihm gewählten Bühne ist er selbst Akteur und Subjekt zugleich.“

Zur Realisierung des Projekts in den Räumlichkeiten eines früheren Kaufhauses aus DDR-Zeiten, das demnächst saniert werden soll meint Deschler: „Wir machen das auf die Berliner Art. Ohne Geld aber voll motiviert.“ Tim Renner postuliert angesichts auch dieses baldigen Verschwindens in seiner Eröffnungsrede „Berlin braucht Räume für das Unvernünftige!“.

Mit von der Partie ist auch Sven Marquardt, ursprünglich aus Ostberlin, mit seinen 2×3 m großen, freihängenden Fotoportraits von Menschen aus der Clubszene, die in einem separaten Raum präsentiert werden. Marquardt wurde als Türsteher des Berghains zur Symbolfigur des Berliner Nachtlebens.

Zum Kunstherbst Jandorf: http://kunstherbst-jandorf.de/

Zu den Künstlern: http://kunstherbst-jandorf.de/K%C3%BCnstler.html

Interview im rbb: http://rbbmediapmdp-a.akamaihd.net/content/19143cdc-8e0e-4910-99bd-3f6e1024abb5_56cb30cb-baf8-4d00-a90a-98a75af693b5.mp3

Fotonachweis: Die tollen Fotos von der Ausstellung hat mir netterweise Stefan J. Uibel zur Verfügung gestellt. Dankeschön.

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„Wir brauchen die Kunst!“ … auch in der täglichen Berichterstattung

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Wir brauchen die Kunst!

Warum gibt es in den Nachrichtensendungen von ARD und ZDF keine Berichterstattung über Theater, Kino, Ausstellungen, Oper und Literatur? Eine dringende Nachfrage von Klaus Weise.

Das hat sich die Koalition der Freien Szene auf ihrer letzten Plenumssitzung auch gefragt. Und das nicht nur in den Nachrichten. Denn die Produktionen der Freien Szene kommen in den Medien noch weniger vor, als Veranstaltungen der großen Institutionen.

Klaus Weise, Film- und Theaterregisseur und Autor, Generalintendant und Leiter der Biennale Bonn am Theater Bonn von 2003 bis 2013, breitet in der ZEIT ein flammendes Plädoyer aus, dass man als Künstler*in und künstlerisch interessierter Mensch nur so miteinstimmen möchte.

Ja, unsere Gesellschaft braucht für ihren lebendigen Diskurs die Inspiration der Künste!

Zur Lektüre empfohlen sei sein Artikel hier

 

Berliner Liegenschaftskongress: Herausforderungen der wachsenden Stadt

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Berliner Liegenschaftskongress vom 04. September 2017

„Herausforderungen der öffentlichen Liegenschaftspolitik in der wachsenden Stadt“

Einen engagierten Impulsvortrag zur Einleitung hielt Prof. Dr. Heribert Prantl, Chefredakteur bei der Süddeutschen Zeitung

Zu Beginn skizzierte er Parameter, die eine Stadt ausmachen. Die physische Existenz der Bauten, die Architektur und Stadtentwicklung und als Wichtigstes die Stadtgesellschaft in ihrem sozialen Miteinander.

Einleitend erwähnte er die Charta von Athen und schilderte die Auswirkungen von Stadtplanung.

Die Charta von Athen wurde auf dem IV. Kongress des Congrès International d’Architecture Moderne (CIAM, Internationaler Kongresse für neues Bauen) 1933 in Athen verabschiedet. Unter dem Thema Die funktionale Stadt diskutierten dort Stadtplaner und Architekten über die Aufgaben der modernen Siedlungsentwicklung.

Resultate in der Umsetzung der Charta waren vor allem der veränderte Städtebau und die Auflösung des klassischen Urbanismus sowie der engen Altstadtareale durch große Freiflächen und die funktionale Trennung von bebauten Quartieren nach Wohnungen (z. B. Großwohnsiedlungen in Trabantenstädten), Büros, Einkaufsmöglichkeiten und Industrie, sowie die „autogerechte Stadt“.

in der Charta von Athen wurden u.a. folgende Forderungen erhoben:

  • Die Stadt muss, bei Gewährleistung individueller Freiheit, Handeln im Sinne der Allgemeinheit begünstigen.
  • Die Stadt muss als funktionelle Einheit definiert und in dem größeren Rahmen ihres Einflussbereichs geplant werden.
  • Die Stadt als funktionelle Einheit unterliegt den städtebaulichen Hauptfunktionen Wohnen, Arbeiten, Erholen und Bewegen.
  • Die Wohnung muss das Zentrum aller städtebaulichen Bestrebungen sein.

In der Folge bezog sich Prantl auf Brasilia als eine am Reißbrett geplante Stadt, der jedoch die gewachsene Lebendigkeit fehlt.

Verantwortlicher Stadtplaner war Lúcio Costa. Der Architekt Oscar Niemeyer trug als Chef des staatlichen Bauamtes die Verantwortung für das Projekt Brasília und entwarf die öffentlichen Gebäude. Als Grundriss für die Stadt wurde die Form eines Kreuzes gewählt.

In der Verwaltungsregion Plano Piloto leben heute vor allem Menschen der Mittel- und Oberschicht. Für die Arbeiter, die überwiegend aus dem Nordosten des Landes kamen und die Hauptstadt aufgebaut haben, war in der Planung kein Platz vorgesehen. Der größte Teil von ihnen lebt heute in den Satellitenstädten rund um die Kernstadt. Die Industrie, für die große Areale des Bundesdistriktes freigehalten worden waren, hat sich nicht angesiedelt.

Hohe Arbeitslosigkeit und deren soziale Begleiterscheinungen wie hoher Alkohol- und Drogenkonsum sowie ansteigende Kriminalitätsraten prägen das Bild der Vorstädte. Die Lebensqualität in Brasília mit Grünflächen, Versorgungseinrichtungen und guter Infrastruktur ist für die dort lebenden Menschen im Vergleich zu anderen Städten des Landes hoch.

Der Stadt fehlt aber durch wenig vorhandene soziokulturelle Einrichtungen das pulsierende und kulturelle Leben einer Hauptstadt. Die Politiker, Abgeordneten und Angestellten verbringen das Wochenende meistens in anderen Städten des Landes.

Alexander Mitscherlich, „Die Unwirtlichkeit unserer Städte“ – Darin bekämpfte er Mitte der 60er Jahre die im Geiste des Funktionalismus errichteten Nachkriegsstädte mit ihren Trabantensiedlungen, dem man ab den 70er Jahren mit dem (Städtebauförderungsgesetz) entgegenwirkte. Mitscherlich diagnostizierte, wie sich die Verödung der Städte auf den seelischen Haushalt und auf die menschliche Kommunikation auswirkt. Er wollte eine lebenswerte, solidarische Stadt.

Als ein Beispiel für positives Umlenken nach schweren Entgleisungen des sozialen Lebens nannte Prantl Palermo.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Palermo schwer beschädigt. Viele Bewohner der Altstadt zogen um in neugebaute Siedlungen am Stadtrand und die Wiederaufbauarbeiten gingen nur sehr schleppend voran. 1946 wurde Palermo zur Hauptstadt der neu errichteten Autonomen Region Sizilien. Die Stadt erlebte einen starken Zustrom von Menschen aus dem ländlichen Sizilien, so dass die Einwohnerzahl schnell sehr stark anstieg. Um Palermo herum wurden massenweise billig gebaute Sozialsiedlungen errichtet, während die Restaurierung des alten Zentrums vernachlässigt wurde und dieses zunehmend verfiel.

Zudem war Palermo von Kriegsende bis Ende des 20. Jahrhunderts fest in der Hand der Mafia, die alle drei Tage einen Mord beging. Gemeinsinn, öffentliche Verantwortung und eine aktive Bürgergemeinschaft fehlten, bis sich schließlich die Bürger von Palermo besannen.

Nach diesen einleitenden Referenzbeispielen bezüglich des Zusammenwirkens von Stadtplanung und Städtebau einerseits und dem lebendigen Miteinander einer Bürgergemeinschaft kam Prantl auf Berlin zu sprechen und hielt ein flammendes Plädoyer für eine sozialere Entwicklung der Stadt.

In Berlin seien in den letzten fünf Jahren die Bodenpreise um 350% gestiegen! Mit dem Umzug des Bundestages 1990 nach Berlin vollzog sich eine Verteuerung von 100 Mrd. Euro.

Berlin verzeichnet seit der Wiedervereinigung einen enormen Zuzug von Menschen und stieg von einer provinziellen geteilten Stadt am Rande Europas zu einer der angesagtesten Metropolen weltweit auf. Menschen aus aller Welt zieht es in die Stadt. Nicht nur die Touristenströme. Auch solche, die hier eine Zweit- oder Drittwohnung im Luxussegment erwarben oder den Immobilienmarkt mit seinen stark wachsenden Renditen als willkommene Kapitalanlage bzw. als Spekulationsobjekt in der Finanz- und Wirtschaftskrise mit ihrer Niedrigzinspolitik (nicht nur der EZB) nutzen. Für einen großen Teil der angestammten Einwohner bedeutet dies massive Verdrängung und Verteuerung ihres Lebensraums. Gentrifizierung. Die „Berliner Mischung“ von unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, aber auch von Wohnen und Arbeiten im Kiez mit ihren gewachsenen Strukturen geht zunehmend verloren. Die Spaltung zwischen arm und reich verschärft sich zunehmend in dieser Stadt, in der 16,5% der Einwohner Hartz IV-Empfänger sind. Ein Anteil, der nirgendwo in Deutschland so groß ist.

Wie sehr dies unserer Verfasstheit entgegensteht demonstriert er mit Zitaten der Bayerischen Verfassung (seinem Herkunftsbundesland) und der Präambel der Berliner Landesverfassung, die ich hier noch um die Artikel 24 und 28 Abs. 1 sowie um Artikel 14 Abs. 2 unseres Grundgesetzes ergänze.

Bayerische Verfassung – Art. 161

(1) 1Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen überwacht. 2Mißbräuche sind abzustellen.

(2) Steigerungen des Bodenwertes, die ohne besonderen Arbeits- oder Kapitalaufwand des Eigentümers entstehen, sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.

Verfassung von Berlin

vom 23. November 1995 (letzte berücksichtige Änderung: Art. 70, geändert durch Gesetz vom 22. März 2016)

Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat am 8. Juni 1995 folgende Verfassung beschlossen, der die Bevölkerung Berlins in der Volksabstimmung vom 22. Oktober 1995 zugestimmt hat:

Vorspruch

In dem Willen, Freiheit und Recht jedes einzelnen zu schützen, Gemeinschaft und Wirtschaft demokratisch zu ordnen und dem Geist des sozialen Fortschritts und des Friedens zu dienen, hat sich Berlin, die Hauptstadt des vereinten Deutschlands, diese Verfassung gegeben: ….

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Artikel 14 

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Landesverfassung von Berlin

Artikel 24

Jeder Missbrauch wirtschaftlicher Macht ist widerrechtlich. Insbesondere stellen alle auf Produktions- und Marktbeherrschung gerichteten privaten Monopolorganisationen einen Missbrauch wirtschaftlicher Macht dar und sind verboten.

Artikel 28 (1) Jeder Mensch hat das Recht auf angemessenen Wohnraum. Das Land fördert die Schaffung und Erhaltung von angemessenem Wohnraum, insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen, sowie die Bildung von Wohnungseigentum.

 

Prantl´s Appell heißt daher:

Städte sind Gemeinwesen, nicht Spekulationsobjekt!

Es geht um Bodenreform!

Nachhaltigkeit heißt Erbpacht!

Es braucht eine soziale Liegenschaftspolitik!

 

Das hat mittlerweile auch das Land Berlin eingesehen, nachdem es über seinen Liegenschaftsfonds über 10 Jahre lang sein „Tafelsilber“ meistbietend verkauft hat und somit seine Gestaltungsmacht für die Stadt an Spekulanten und Preistreiber abgegeben hat. Seit einiger Zeit setzt es nun seine neu ausgerichtete Liegenschaftspolitik schrittweise um. Unter anderem ist diese bei der Vergabe unseres Künstlerhofs angewandt worden.

Heute vertritt die BIM / Berliner Immobilienmanagement GmbH, in die der Liegenschaftsfonds eingegangen ist, eine gemeinwohlorientierte Liegenschaftspolitik, bei der der Verkauf von Grundstücken nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme ist. Auch die Kriterien haben sich verändert: Nicht mehr der Höchstpreis, sondern das beste stadtverträgliche Nutzungskonzept soll den Zuschlag erhalten.

 

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Presseerklärung und Programm des Liegenschaftskongresses:

https://www.berlin.de/sen/finanzen/vermoegen/nachrichten/artikel.627101.php

https://convent.de/de/archiv/managed-events/liegenschaftskongress/    (mit Portraits der Beteiligten)

https://www.morgenpost.de/berlin/article211817521/Berlin-setzt-auf-Konzepte-statt-auf-Hoechstpreis.html

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Stichwort-Protokoll (PDF):

Berl. Liegenschaftskongress 2017, Diskussionsrunden 

 

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Künstlerbuch: Regina Liedtke / Mein künstlerischer Weg – Erinnerungen, Werke und Projekte

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Damit habe ich den letzten Winter verbracht.

Irgendwie hatte ich das dringende Bedürfnis, meine künstlerische Entwicklung mal zusammenzufassen und mir über meine Position in der Kunst Rechenschaft abzulegen. Und je mehr ich mit Künstlerkolleg*innen darüber spreche, desto größer wird die Resonanz darauf. Gerade Künstlerinnen, die wie ich schon auf eine längere Schaffensphase zurückblicken und in einem Alter sind, wo man biografisch Bilanz zu ziehen beginnt, betrachten meine Initiative als Anregung auch für sich selbst.

Gern möchte ich meine Kunst und das entstandene Künstlerbuch einer interessierten Öffentlichkeit in Form eines Vortrags vorstellen und mit anderen über Gestaltungsfragen und künstlerische Prozesse, über die Positionierung auf oder gerade jenseits des kommerziellen Kunstmarkts und die eigene Form von Arbeit und Leben in einen anregenden Austausch kommen.

EINLADUNG zum bebilderten Vortrag mit Videoeinspielungen und passagenweisen Lesung aus dem autobiografischen Text:

Am Freitag, 08.September um 18:30 Uhr

in meiner Praxis für kreatives Gestalten, Therapie und Supervision

auf dem Künstlerhof Alt-Lietzow 12

10587 Berlin Charlottenburg

Der Eintritt ist frei.

 

Aus dem Exposé:

„Regina Liedtke, Bildende Künstlerin und Kunsttherapeutin, zeigt Werke und Projekte aus 40 Jahren ihres künstlerischen Schaffens. Ihre Ausdrucksweisen sind vielfältig. Sie umfassen Malerei, Zeichnungen, Objekte, Installationen, Performances und Videoarbeiten. In einem autobiografischen Text beschreibt die Autorin ihren Werdegang, beginnend mit dem Studium an der Hochschule der Künste Berlin bis zum work in progress der Gegenwart und lässt ihre LeserInnen teilhaben am Prozess der Auseinandersetzung mit formalen und philosophischen Themen. Dabei bezieht sie sich auf kunstgeschichtliche Strömungen, sowie Lehrer und Impulsgeber, die ihre Arbeit beeinflusst haben. Die Idee der Sozialen Plastik von Joseph Beuys begreift sie als übergeordnetes Bezugssystem für ihr Wirken insgesamt.“

Ich habe das Buch selbst erstellt und als Fotobuch herausgegeben.

© Regina Liedtke, Berlin 2017 – Hardcover, 28 x 21 cm, 34 Seiten mit 30 farb. Abb. u. 2 schwarz-weiß Abb. auf Fotopapier, Bestellung als book on demand: kreativ.liedtke@t-online.de  /  Preis: EUR 45,-

http://reginaliedtke.kulturserver-berlin.de/
http://www.kreativpraxis-berlin.de/eigenes.php

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09.09.17 – Impression vom gestrigen Abend:

 

Vortrag und Buchpräsentation „Mein künstlerischer Weg – Erinnerungen, Werke und Projekte“ in meiner kunsttherapeutischen Praxis auf dem Künstlerhof Alt-Lietzow mit tollen Gästen und inspirierenden, inhaltsreichen Gesprächen. Volle 2,5 Std. Konzentration. Danach noch lockerer Austausch bei Wein, Wasser, Saft, Butterbrezeln….. bis in die Nacht.

Das obenstehende Foto ist mir freundlicherweise von Sandra Becker zur Verfügung gestellt worden, das darunter stehende von Rotraud von der Heide.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank all meinen Gästen, die sich mit eigenen Erfahrungen und Betrachtungen in den Austausch eingebracht haben und danke auch für die schönen Feedbacks, die ich hinterher noch bekommen habe.

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Ateliersterben und kein Ende in Sicht

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Es ist ein Anrennen gegen die Zeit!

Während der Kultursenat von Berlin und das Atelierbüro des bbk berlin versuchen, die Zahl der Künstlerateliers deutlich zu erhöhen, sterben ihnen ständig bewährte Standorte für Kunst und Kultur gewissermaßen unter der Hand weg.

Das ambitionierte Ziel gemäß eines Masterplans, bis 2020 den geschätzt 8.000 bis 10.000 Bildenden Künstler*innen in der Stadt 2000 Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen, rückt dabei nicht gerade näher.

Aktuell geht gerade das Kunstquartier UFERHALLEN im Wedding verloren. Es ist ein quälendes Sterben in Raten. Ein Prozess, der sich bereits seit einiger Zeit schleichend vollzieht und nun mit dem Gongschlag eines zweistelligen Millionendeals die aktuellen Schlagzeilen bestimmt.

Hintergrund dafür ist der Verkauf der Liegenschaft durch den Berliner Senat aufgrund der finanziellen Notlage, die durch den Berliner Bankenskandal ausgelöst worden war. Nun geht die Privatisierungswelle und die Spirale der Gewinnmaximierung in eine neue Runde.

Die dort eingemieteten Künstler*innen scheinen in dieser prekären Lage in einer schwachen Position. Eine Presseerklärung kursiert auf facebook, ist jedoch im Netz unauffindbar. Die offizielle Webseite der Uferhallen AG schweigt zu all dem.

Pressespiegel vom 23.08.17

http://www.monopol-magazin.de/zalando-gruender-kaufen-berliner-kuenstlerareal-uferhallen

http://www.tagesspiegel.de/berlin/millionendeal-in-berlin-gesundbrunnen-privatinvestoren-kaufen-uferhallen/20230202.

htmlhttp://www.berliner-zeitung.de/berlin/millionendeal-in-wedding-samwer-bruder-kauft-uferhallen-28214066

Presseartikel vom 07.07.17

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/wedding-kuenstler-fuerchten-um-ihre-ateliers-in-den-uferhallen-27934812

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Presseerklärung der Koalition der Freien Szene

Im Bewusstsein der Sozialen Plastik. – Mein Besuch bei der Künstlerin und Aktivistin Rotraud von der Heide auf dem Teufelsberg.

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„STADT – LAND – KUNST  Jedes meiner Kunstwerke ist eine komplexe Kombination aus Programmen, Intuition, sensorischer Aktivierung und ästhetischem Gebilde“ – “mit den Mitteln der Performance und multimedialen Rauminszenierung“, so definiert Rotraud von der Heide ihre künstlerische Position auf ihrer Webseite.

Unser Austausch über unsere Wege der Kunst führt uns zu Beuys´s Idee der Sozialen Plastik. Die künstlerische Gestaltung in Verbindung mit dem Einwirken auf gesellschaftliche Prozesse, das ist uns beiden in jeweils unterschiedlicher Ausprägung ein wichtiges Anliegen. Mein Künstlerbuch findet Rotrauds Interesse. Ihr Sonnentor und mein Erdkreis (Meine Erde. Deine Erde. Unsere Erde.) markieren ein gemeinsames Bewusstsein für das Kreieren von Kraftorten und für die energetische Qualität des Verbundenseins mit dem Großen Ganzen.

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„An der Stelle des heutigen Teufelsbergs stand in den 1940er Jahren der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät, die im Rahmen des nationalsozialistischen Projektes der Welthauptstadt Germania gebaut werden sollte. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage gesprengt, teilweise abgerissen und als Baumaterial genutzt.

In den 1950er Jahren entdeckte die US-Armee den Berg als hervorragenden Standort für eine Abhöranlage.“ (Wikipedia, aufgerufen am 29.07.17)

Eine Vielzahl von Initiativen zur Nachnutzung des Teufelsbergs nach der Wende der 90er Jahre führte bis heute zu keinem Ergebnis.

Seit 2013 ist der Verein Initiative Kultur-DENK-MAL Berliner Teufelsberg g. e. V. als Plattform für ehrenamtlich Engagierte in Kunst, Kultur, Natur und Geschichte auf dem Teufelsberg aktiv, in dem sich Rotraud von der Heide engagiert. Ein sehr schöner, von ihr gestalteter Katalog gibt einen Einblick in die Aktivitäten der Graffiti-Künstler*innen und Kunstprojekte im öffentlichen Raum. In dem dort niedergelegten Teufelsberg-Manifest definiert der Verein die Ziele Denkmalschutz, Nutzung für alle, nachhaltige und gemeinnützige Entwicklung sowie Denkfabrik als Forum für die Zukunft des Teufelsbergs.

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Es war ein anregender persönlicher Austausch und eine weitere Kooperation in Charlottenburg mit dem Potential zu mehr….

Link zur Webseite von Rotraud von der Heide

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Transaktionen – Über den Wert künstlerischer Arbeit

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„„Wir sind an einen Punkt gekommen, wo der Markterfolg sämtliche Theorien ersetzt.“
(Michel Houellebecq, 2010)

Die Ausstellung versteht sich mit einem umfangreichen Begleitprogramm als Diskursplattform, um verschiedene Aspekte der Beziehung von künstlerischen Praxen zum gegenwärtigen Finanzsystem zu beleuchten und zu hinterfragen.  Ökonomische Aspekte haben die Produktion und Rezeption von Kunst stets begleitet. Doch noch nie scheint das Medium derart von den Kräften des Marktes überformt und getrieben worden zu sein….“

So beginnt die Ankündigung der Ausstellung, in deren Rahmen der Vortrag mit Diskussion von Wolfgang Ullrich stattfindet:

KREATIVITÄT

Samstag, 19. August 2017 um 21:00 Uhr

Haus am Lützowplatz
Fördererkreis Kulturzentrum Berlin e.V.
Lützowplatz 9
10785 Berlin

Die Veranstaltung findet statt im Rahmenprogramm der Ausstellung:
Transaktionen – Über den Wert künstlerischer Arbeit
1. Juni – 20. August 2017

Wolfgang Ullrich lebt als freier Autor in Leipzig. Publikationen zur Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, zu bildsoziologischen Fragen und Konsumtheorie.

Weitere Informationen zur Ausstellung : http://www.hal-berlin.de/ausstellung/transaktionen/

Die Veranstaltung findet auch im Rahmen der Lange Nacht der Museen Berlin statt.