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Über die Liegenschaftspolitik wird in letzter Zeit viel gesprochen. Unser Blog ist bereits voll damit. Dabei geht es um politische (Fehl)entscheidungen, Immobilienspekulationen, Bodenpolitik, Vergabestrukturen und  Stadtentwicklung. Auf Tagungen, in Initiativen und Diskussionsportalen werden alternative Konzepte ausgetauscht.

Was aber geschieht hinter den Kulissen mit den Betroffenen? Wie gehen von Vertreibung bedrohte Menschen damit um?

Jenseits der Sachebenen passieren da oft Dinge, die man erst mal gar nicht versteht. Denn sie haben mit der Logik der oben genannten Sachthemen und Vorgehensweisen nicht viel zu tun. Da nehmen Mieter scheinbar eine Kündigung billigend in Kauf, da werden Handlungsoptionen ignoriert, emails über Monate nicht gelesen oder beantwortet, Machtkämpfe entbrennen, Intrigen werden geschmiedet, wechselnde Bündnisse werden eingegangen, Gruppenbildung kommt nicht zustande, geschweige denn wirkungsvolles Handeln im Sinne eines gemeinsames Ziels.

Wie kommt das? Wollen nicht eigentlich alle das gleiche? Sitzen nicht alle in demselben „untergehenden Boot“?

Ja und nein. Denn wenn es um Vertreibung geht, werden Menschen sehr davon angerührt. Mehr als ihnen bewusst ist. Tief sitzende Ängste werden reaktiviert. Und individuelle Programme laufen wie automatisch ab. Man verletzt, um nicht verletzt zu werden, man strebt nach Besitz und Macht, um sich vor Verlust zu schützen, man vertreibt andere, um nicht selbst vertrieben zu werden. Täter und Opfer schieben sich in wechselnden Rollen Schuld zu. Die eigenen Erfahrungen mit Verlusten, Verletzungen und Vertreibungen schreiben das unsichtbare Drehbuch für die aufkommende Dynamik zwischen den Betroffenen. Das geht zurück bis in vergangene Generationen und kollektive Schicksale. Gerade in Deutschland sitzen die Traumatisierungen noch tief und kaum jemand hat sie nicht irgendwie noch in sich. Und letztlich enden sie in den altbekannten Reaktionsweisen Angriff, Flucht und Erstarrung.

Damit hat man die Bedrohung innen wie außen. Eine wirksame Gegenwehr und konstruktive Gruppen- und Projektbildung kommen u.U. nicht zustande. Soziales Leben geht verloren. Re-Traumatisierung droht.

Da helfen nur eine unterstützende und bewusstmachende Projektbegleitung und die wohlwollende Besinnung auf einen Satz von Saint-Exupéry:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut.“   Tränendes Herz aus dem Garten des Künstlerhofs Alt-Lietzow

Regina Liedtke

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