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Die Kreativwirtschaft, was ist das eigentlich?! Es scheint ein Sammelbecken für alles Mögliche zu sein, vom Softwareentwickler bis zum Bildenden Künstler. Jedenfalls wird das von Wirtschaftsliberalen gern so gesehen. Und falls da was nicht reinpasst, nennt man dieses Phänomen eben „Kultur- und Kreativwirtschaft“. Dann passt´s schon. Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Wirtschaftsfaktor zu sehen, das ist „in“.

Und es ist auch tatsächlich EIN Teil der Wahrheit: „Sie ist längst keine Nischensparte mehr, sondern der am stärksten wachsende Wirtschaftszweig hierzulande. Jedes Jahr werden da 130 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ergibt eine Bruttowertschöpfung von über 60 Milliarden, mehr als in der Chemiebranche zusammenkommt.“

„Die Kreativwirtschaft ist für die urbane Ökonomie insgesamt sehr wichtig. Je mehr Kultur, desto attraktiver wird eine Stadt im globalen Standortwettbewerb. In Berlin ist inzwischen jeder zehnte Erwerbstätige im Kreativ- oder Kultursektor beschäftigt […].“ Dabei liege der Anteil der Soloselbstständigen im Kreativsektor bei 70 Prozent, während er in sonstigen Erwerbsfeldern nur zehn Prozent betrage.

Die Zahl der Erwerbstätigen „hat sich über die vergangenen 20 Jahre verdreifacht. Kein Erwerbsfeld ist seit den 70ern stärker expandiert. Rund 1,6 Millionen Menschen verdienen heute ihr Geld in diesem Sektor, deutlich mehr als in der Autobranche.“

Laut Definition der Wirtschaftsministerkonferenz gehörten dazu „die Musik-, die Rundfunk- und die Filmwirtschaft, der Buch- und der Kunstmarkt, die Darstellenden Künste, die Architektur, das Pressewesen, die Werbung, die Software- und Spieleindustrie und die Designwirtschaft.“

So lesen wir in einem Interview von Katja Kullmann mit der Autorin und Arbeitssoziologin Alexandra Manske in der Wochenzeitung der Freitag.

Tom Mustroph ergänzt in seinem Artikel die Besonderheiten von BERLIN: „Der Anteil der Kultur- und Kreativarbeiter an der Gesamtarbeitsbevölkerung erreicht hier zwar mit 10 Prozent den bundesweiten Spitzenwert. Ihr Pro-Kopf-Einkommen entwickelt sich aber weiterhin langsamer als das der anderen Beschäftigten in der Stadt und liegt auch um 10 Prozent unter dem der gesamten Bundesrepublik. Gut ein Drittel kann von seinen künstlerischen Einkünften nicht leben. Und die, die es können, erwirtschaften 60 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Berlins.

Was Alexandra Manske als Arbeitssoziologin insgesamt besonders interessiert, das sind die von Selbstausbeutung und Prekarisierung geprägten Arbeitsbedingungen und die Überhöhung des sog. „freien Kreativen“ zum „Idealtypus des erwerbstätigen Menschen“ als „perfektes Rollenmodell für den flexiblen Kapitalismus“. Denn jeder Zweite dieser kreativen oder Kulturarbeiter könne von seiner eigentlichen Tätigkeit nicht leben. (Bei den Bildenden Künstlern liegt der Anteil noch weitaus höher. R.L.) Mit einem hohen Aufwand an Investitionen ins eigene Prestige – wir kennen ja alle den zynischen Satz: „…ist doch auch gut für Deine Vita!“ – und einem großen Wunsch nach Selbstverwirklichung sind sie bereit, sich bis zum Burnout permanent zu verausgaben. „Es ist die Mentalität des „ästhetischen Kapitalismus“, wie der Kulturwissenschaftler Andreas Reckwitz unsere ökonomische Gegenwart nennt.“ kritisiert Manske.

Andererseits lebten Künstler und Kreative als Selbständige auch eine Art „Entunterwerfung“, wie Michel Foucault es nennt. Sie erschaffen sich einen Handlungsfreiraum, der bis hin zu einer widerständigen Praxis gegen die vorherrschenden Verhältnisse gehen kann. Für dieses Stück gelebten Widerstandspotentials nehmen sie bewußt andere Nachteile in Kauf. Dies hebt Tom Mustroph in seinem taz-Artikel hervor.

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Kreative Komplizen des Kapitalismus – Alexandra Manske erforscht die Erwerbsmodelle in der Kreativwirtschaft. Und ihre sozialen Folgen  

Link zum Artikel: https://www.freitag.de/autoren/katja-kullmann/kreative-komplizen-des-kapitalismus

Alexandra Manske, 45, forscht und lehrt im Feld der Arbeitssoziologie. Ende 2015 erschien ihr Buch Kapitalistische Geister in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Kreative zwischen wirtschaftlichem Zwang und künstlerischem Drang im Transcript-Verlag Bielefeld 2015, 454 S., 39,99 Euro

der Freitag – Die unabhängige Wochenzeitung für Politik, Kultur und Alltag

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Sternenstaub und Volkswirtschaft – Die Kreativwirtschaft galt lange als neoliberale Vorzeigebranche. Jetzt formiert sich Widerstand
Ein Kommentar von Alexandra Manske in der taz

Link zum Artikel: http://www.taz.de/!5280749/

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Studie zur Situation von Künstlern

Opfer der Flexibilisierung

Zwischen Rückzug und Entzauberung: Die Soziologin Alexandra Manske lotet Handlungsspielräume von prekarisierten Künstlern aus.

Ein Artikel von Tom Mustroph

Link zum Artikel: http://www.taz.de/Studie-zur-Situation-von-Kuenstlern/!5287616/

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Ein Beitrag von Regina Liedtke

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