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Die Kreativwirtschaft zieht viele Menschen an – trotz unsicherer Arbeits- und Lebensverhältnisse. Die Politik hat diesen Wandel vorangetrieben, bleibt bei sozialer Sicherung aber auf „Normalarbeit“ fixiert, sagt die Sozialwissenschaftlerin Lisa Basten. Kreative sollten neue Wege der Interessenvertretung gehen, so ihre Schlussfolgerung.

Ganz viele Kreative arbeiteten ihr Leben lang produktiv, aber das reiche für sie nicht, um vernünftig sozial abgesichert zu sein. Sie lebten prekär, weil für sie andere Regeln gelten als für andere Berufstätige. Auch innerhalb der Branchen werde Kreativität gegen Lohn abgewogen.

Lisa Basten stellt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Selbstverständnis als „Kreative“ und der Akzeptanz von Arbeitsbedingungen jenseits etablierter Standards. Eingebettet in die Diskussion um Kreativität als gesellschaftlichen Wert und als wirtschaftlichen Faktor wird der Fokus auf die Soloselbständigen und meist befristet Beschäftigten, sowie auf zukünftige Möglichkeiten kollektiver Organisation und Mitbestimmungsprozesse gelegt.

Die Autorin geht in ihrem neu erschienenen Buch auf den enormen Wirtschaftsfaktor Kreativwirtschaft ein und verweist darauf, dass dieser im Zuge einer neoliberalen Politik bewußt in unabgesicherten Arbeitsverhältnissen ohne organisierte Interessenvertretung befördert wurde.

Die so arbeitenden Kreativen folgten einem propagierten Leitbild eines individuellen und vergleichsweise freien Lebensentwurfs in gesellschaftlichen Verhältnissen, die viele als immer weniger selbstbestimmt gestaltbar erleben. Basten sagt: „Wer das nicht umsetzen kann, ist auf sehr persönliche Weise gescheitert.“

Dabei folge der einzelne oft dem alten Mythos, dass doch jeder mal „klein angefangen“ habe, sich durch „lange, harte Jahre“ habe durchbeißen müssen — bis man es dann „geschafft“ habe. Die Realität sei jedoch, dass es nur wenige bis zum Erfolg schafften, von den anderen aber niemand spreche.

Lisa Basten stellt im folgenden Interview differenzierte Beobachtungen und Überlegungen aus ihrem Buch vor.

Artikel: Der Mythos des kreativen Durchbeissens ist stärker als Interessenvertretung

Sie studierte Kompara­tistik und Soziologie in Mün­chen, Medienwissenschaft in Potsdam. Sie lehrt Medien­soziologie an der Filmuniversi­tät Babelsberg und arbeitet an ihrer Dissertation am Promo­tionskolleg „Gute Arbeit. Die Gestaltung der Arbeitswelt von Morgen“ am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). Vor kurzem erschien ihr Buch „Wir Kreative! Das Selbstverständnis einer Branche“ , Frank und Timme Berlin 2016, 16,80 €.

Inhaltsverzeichnis des Buches

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