Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , ,

Berlin-Mitte, Brunnenstraße 19. Zur Einlasszeit hatte sich bereits eine riesige Ansammlung von Menschen gebildet, die nach und nach von Türstehern hereingelassen werden. An der Tür ein Schild mit der Aufschrift „VIP-Gästeliste“. Ich treffe einen Künstlerkollegen vom BBK, mit dem ich mich augenzwinkernd darauf verständige, dass wir selbstverständlich „auf der Gästeliste stehen“ und uns nicht abwimmeln lassen. Und schwupp sind wir drin.

Kollege Thomas macht auf meine Bitte ein – leider ziemlich verschwommenes – Foto von mir mit seinem Uralt-Handy.

Es ist ein fast berauschendes Kunst-Raumerlebnis in diesen 2.500 m2 Rohbau mit den großen Wandmalereien von Luciano Castelli. Und angesichts der nicht endend hineinströmenden Massen ein prickelndes Bad in der Menge. Doch so richtig hoch geht die Stimmung, als Castelli leibhaftig auftaucht. Ja, er ist tatsächlich selbst da. Der Castelli, der Ende der 70 Jahre hier in Berlin mit seinen expressiven Bildern als „Neuer Wilder“ zusammen mit Rainer Fetting und Salomé für Furore gesorgt hat. Die Film-Collage „Back to nothing“ zeichnet ein Stimmungsbild der Szene im Berlin der Jahre 1979 – 89.

„Wild“ sind seine Malereien der großen Geste noch heute, er als Person jedoch wirkt eher durch seine natürliche Ausstrahlung und stille Präsenz.

Diese Vielschichtigkeit steckt auch in dem Projekt selbst.

From White to White nennen die Veranstalter die Ausstellung, die sich und die Besucher mit dem Erschaffen und der Vergänglichkeit allen Schaffens konfrontieren, denn die Wandgemälde, die Castelli in Tage und Nächte langer Arbeit mit seinem Sohn zusammen (größtenteils) auf die rohen Mauern aufgebracht hat, werden nach dem 7-tägigen Event wieder weiß übermalt. „Castelli schafft ein Kunsterlebnis, das in seiner Exklusivität und gleichzeitigen Vergänglichkeit durch die Dauer der Ausstellung begrenzt ist.“ Bereits 2016 bemalte er in Shanghai spontan und unmittelbar das gesamte Innere eines Museums, um damit aus dem konventionellen Rahmen der Bildpräsentation auszubrechen. Er will damit eine „neue Form finden“ und betrachtet diese multimedialen Aktionen, zu denen auch Live-Konzerte gehören, als „lebendiges Wesen“. In der Presseerklärung der Galerie von Markus Deschler heißt es: „Arbeitsschwerpunkt seines Werkes sind Selbstinszenierungen, in denen Eigenschaften, Emotionen und Rollen gegenständlich werden: auf der von ihm gewählten Bühne ist er selbst Akteur und Subjekt zugleich.“

Zur Realisierung des Projekts in den Räumlichkeiten eines früheren Kaufhauses aus DDR-Zeiten, das demnächst saniert werden soll meint Deschler: „Wir machen das auf die Berliner Art. Ohne Geld aber voll motiviert.“ Tim Renner postuliert angesichts auch dieses baldigen Verschwindens in seiner Eröffnungsrede „Berlin braucht Räume für das Unvernünftige!“.

Mit von der Partie ist auch Sven Marquardt, ursprünglich aus Ostberlin, mit seinen 2×3 m großen, freihängenden Fotoportraits von Menschen aus der Clubszene, die in einem separaten Raum präsentiert werden. Marquardt wurde als Türsteher des Berghains zur Symbolfigur des Berliner Nachtlebens.

Zum Kunstherbst Jandorf: http://kunstherbst-jandorf.de/

Zu den Künstlern: http://kunstherbst-jandorf.de/K%C3%BCnstler.html

Interview im rbb: http://rbbmediapmdp-a.akamaihd.net/content/19143cdc-8e0e-4910-99bd-3f6e1024abb5_56cb30cb-baf8-4d00-a90a-98a75af693b5.mp3

Fotonachweis: Die tollen Fotos von der Ausstellung hat mir netterweise Stefan J. Uibel zur Verfügung gestellt. Dankeschön.

********************************************************************

Advertisements