Die alte Historie von Alt-Lietzow 12

Alt-Lietzow, die kleine Straße an der Rückseite des Rathauses Charlottenburg, wo sich unser Künstlerhof befindet, ist ein alter Dorfanger. Das ist mit dem Straßenverlauf und der in der Mitte stehenden Kirche auch heute noch erkennbar.

Dieses ehemalige Dorf aus dem Jahre 1239 ist der älteste Teil Charlottenburgs. Frühere Namen sind auch Lietze, Lützen, Lützow oder Das alte Dorf LützowLucene. Es unterstand bis 1558 dem Nonnenkloster St. Marien und kam anschließend zum Amt Spandau. 1695 wurde der Ort Kurfürstin Sophie Charlotte, der zweiten Gemahlin des Kurfürsten Friedrich III. – des späteren Königs in Preußen Friedrich I. -, übereignet und für sie das Schloß Lützenburg (auch Lietzenburg) errichtet, das bald in ganz Europa als Musenhof bekannt wurde. Kurz nach dem Tod Sophie Charlottes erhielt die gegenüber dem Schloss Lützenburg errichtete Siedlung am 5. April 1705 von Friedrich I. den Namen Charlottenburg und gleichzeitig das Stadtrecht. Das Schloss Lützenburg wurde ebenfalls in Schloss Charlottenburg umbenannt. Das Dorf Lietzow wurde durch eine Verfügung seines Sohnes Friedrich Wilhelms I. vom 7.11.1719 nach Charlottenburg eingemeindet.

Das Mosaik am Haus Alt-Lietzow 1-3 zeigt eine Ansicht des Dorfes aus dem 18. Jahrhundert.

Zwischen 1870 und 1890 entwickelte sich Charlottenburg in einem rasanten Tempo von einer mittleren, ländlich wirkenden Stadt in der Umgebung Berlins zu einer Großstadt und schließlich zu einer der reichsten und größten Städte Preußens. Um 1900 wurde Charlottenburg mit einer guten Infrastruktur als Großstadt vollendet. Gegenüber dem von kaiserlichen Interessen dominierten Berlin stellte sich Charlottenburg als moderne Großstadt mit einem reichen Bürgertum und als Metropole der modernen Kunst dar. 1920 wurde Charlottenburg in die Hauptstadt Berlin eingemeindet. Der nun gebildete Bezirk Charlottenburg konnte in fast allen Bereichen der Kommunalpolitik auf die guten Grundstrukturen aufbauen, die zu Zeiten der Eigenständigkeit gelegt worden waren. Wohl nirgendwo waren die 20er Jahre so „golden“ wie in der westlichen City Berlins rund um den Kurfürstendamm in Charlottenburg und Wilmersdorf. In den Kriegsjahren besonders stark zerstört, wurde nach dem 2. Weltkrieg und insbesondere mit dem Bau der Berliner Mauer dieser Bezirk zum Zentrum von West-Berlin. Mit der Maueröffnung im November 1989 verloren Charlottenburg und Wilmersdorf diese Bedeutung. Aus der City West, die vor mehr als 100 Jahren als „Neuer Westen“ entstanden war, wurde plötzlich der alte Westen. Aktuell soll nun die City-West neben Mitte als zweiter Zentrumsbereich wieder mehr Attraktivität und Bedeutung erhalten.

Näheres über die heutige Situation im Bezirk, in Alt-Lietzow und über unseren Künstlerhof > siehe > https://altlietzow12.wordpress.com/2011/07/21/aktuelle-stellungnahme-der-kunstlergemeinschaft-alt-lietzow12/

Unser Haus stammt aus dem Jahre 1888/89. Von 1924 bis 1927 soll hier in Alt-Lietzow (damals Lützower Str.) der im KZ gestorbene, anarchistische Literat Erich Mühsam gewohnt haben, worauf die von Brigitte Arndt / Künstlerin im Künstlerhof Alt-Lietzow 12 gestaltete Gedenktafel hinweist: „Ein Anarchist, der die Gewalt hasste“. Gedenktafel Erich Mühsam in Alt-Lietzow, © Brigitte Arndt

Einen Artikel zu Erich Mühsam siehe auf: http://kreativundheilsam.wordpress.com/2011/04/17/veroffentlichung-der-tagebucher-des-dichters-und-schriftstellers-erich-muhsam/ 

In der Nr. 9 wurde 1933 der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann verhaftet und abgeführt.

Bärenliköre schaffen BärenstimmungAus den 1960/70er Jahren ist bekannt, dass in Alt-Lietzow 12 eine Likörfabrik ansässig war. Anfang der 60er Jahre gab es Bestrebungen des Bezirks, das Haus von dem Eigentümer und Betreiber der Bärenliköre KG Karlheinz Schmidt käuflich zu erwerben, was dann auch geschehen ist. Hierauf verwies an der Außenseite des Gebäudes noch bis zur erst kürzlich vorgenommenen Sanierung die riesige Werbeaufschrift „Bärenliköre schaffen Bärenstimmung“.

Das Bezirksamt plante dort zum Zeitpunkt des Erwerbs ein Modellgesundheitsamt als Erweiterung des direkt angrenzenden Rathauses Charlottenburg, was jedoch nicht verwirklicht wurde. Später war u.a. eine Wäscherei bei uns im Haus tätig, wovon noch Anfang des 21. Jht.s ein Schriftzug über dem Tor Zeugnis ablegte.

 

Zur Geschichte des Künstlerhofs lesen Sie hier weiter:

https://altlietzow12.wordpress.com/zur-geschichte-des-kunstlerhofs/

1 Gedanke zu “Die alte Historie von Alt-Lietzow 12”

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